Industrie 4.0 in Sichtweite

Aus der Bitkom-Prognose geht hervor, dass die ITK voraussichtlich am meisten von den digitalen Umwälzungen profitieren wirdDer Volksmund mag sich wundern wo zwischen Web 2.0 und Industrie 4.0 der Hype 3.0 abgeblieben ist, aber das Buzzword hat durchaus seine Berechtigung, denn der Weg dorthin zeichnete sich über Generationen ab.

Rückwirkend betrachtet kann man die Industrierevolution des 19. Jahrhunderts als Industrie 1.0 bezeichnen, auch wenn diese Wortschöpfung zu jener Zeit eher befremdlich gewirkt hätte. Elektronik und Mechanik hievten das Prinzip der Industrie im letzten Jahrhundert auf eine neue Evolutionsstufe – 2.0. Der nächste große Sprung war die Office-IT und ihre zunehmende Automatisierung. Hier sprechen wir von Industrie 3.0.

Die nächste Stufe

Was zeichnet nun also diese ominöse Industrie 4.0 aus? In erster Linie die Intelligenz der eingesetzten Produktionsmittel. Das Ideal der Smart Factorybesteht darin, dass ein cyber-physische Produktionsgeräte selbstständig mit den Geräten der Konsumenten konsumiert und hier eine automatische, bedarfsgerechte Produktionskette entsteht, die sich mit wenig Zutun durch menschliche Mitarbeiter selbst organisiert. Natürlich wird die Praxis lange nicht mit dem allzu cleanen Prinzip Schritt halten können und der manuellen Steuerung, sowie verschiedenster Intervention bedürfen, aber genial sind diese Fortschritte technologisch betrachtet allemal.

Wer profitiert?Statistik-i40-Industrie der Zukunft

Aus o.g. Bitkom-Prognose geht hervor, dass die ITK voraussichtlich am meisten von den Umwälzungen profitieren wird. Die Land- und Naturwirtschaft naturgemäß eher weniger. Da das Thema einen deutschen Ursprung hat und auf eine hiesige Forschungsinitiative zurückgeht, ist davon auszugehen, dass Deutschland diesbezüglich eine Vorreiterrolle annehmen wird. Siemens, Bosch und Audi sind als die Pioniere in dem Projekt zu betrachten. Den Vorsprung könnte Deutschland jedoch verlieren, wenn andere Marktteilnehmer weiterhin so lethargisch auf das Thema reagieren wie bislang.

Deutsche Konzerne reagieren schwerfällig

Ein Problem ist die Komplexität des Themas in der Praxis. In der Theorie wird der unvermeidliche Wandel hin zu intelligenten Produktionsprozessen von den meisten Entscheidern nachvollzogen, aber wie man daraus ein praktikables, alltagstaugliches, bezahlbares System schmiedet ist im Moment noch nicht wirklich allen klar.umfrage-i40 Industrie 40

Die Abwesenheit von Referenzmodellen und definierten Regeln gefällt deutschen Unternehmern nicht. In den USA oder China ist man da schmerzfreier und packt Dinge auch mal nicht zu Ende gedacht an, um sie dann work-in-progress so lange zu modifizieren, bis ein praktikables Konzept daraus wird. Die Gefahr in Sachen Industrie 4.0 auf der Zielgeraden von anderen Nationen überrundet zu werden ist aufgrund der offensichtlichen Hemmnisse Veränderungen aktiv anzugehen durchaus gegeben.

Albtraum „Beschäftigungslosigkeit“ tritt nicht ein

Für die Schreckensvision einer menschenleeren Fabrikhalle gibt das Fraunhofer IAO Entwarnung – im Gegenteil sei der menschliche Faktor entscheidend für den Erfolg eines solchen Konzepts. Es ändere sich lediglich der Arbeitsablauf. Statt fix an einem Arbeitsplatz gebunden zu sein, sei es erforderlich Bereiche häufiger zu wechseln und verschiedene Aufgaben anzunehmen. Routineaufgaben werden weniger, dafür wird Wartung und Überprüfung von Prozessketten eine größere spielen.

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