Digitalisierung: Deutschlands Manager üben Zurückhaltung

Bitkom Digital Office Index: Benchmark 2016Die Digitalisierung ist der Megatrend unserer Zeit - darüber sind sich Experten genau so einig, wie darüber, dass Deutschland im internationalen Vergleich hinterherhinkt und dringenden Nachholbedarf hat.

Laut des im Mai veröffentlichen „European Digital Progress Report“ der Europäischen Union schwächelt Deutschland besonders in zwei Bereichen: dem Ausbau des Glasfaser-Internets für Endkunden und im Ausbau des E-Governments. Zu unbekannt und wenig benutzerfreundlich seien die bereits bestehenden Angebote. Besser genutzt werden könnten von Deutschland mitentwickelte Lösungen für grenzüberschreitendes E-Government wie elektronische Signaturen, Identifizierung und Rechnungsstellungen.

Die COMPUTERWOCHE sieht die Digitalisierung in Deutschland auch mit Blick auf die Wirtschaft kritisch. Für die Hälfte aller Verantwortlichen hat die Digitalisierung keine Auswirkung auf ihr eigenes Unternehmen, 6 von 10 Entscheidern beschäftigen sich beruflich gar nicht mit neuen Technologien. Gleichzeitig halten sich aber 60% für sehr kompetent im Umgang mit digitalen Skills, 40% sehen in sich die Qualitäten eines Digital Leaders vereint. Damit verschätzen sich deutsche Manager enorm, so das Resümé der COMPUTERWOCHE, denn nur 7 Prozent der Befragten verfügen tatsächlich über die erforderlichen Kompetenzen.

Die Ergebnisse von HORIZONT gehen in eine ähnlich Richtung: Nur für 35% der deutschen Unternehmen gehört die fortschreitende Digitalisierung zu den drei wichtigen Punkten der Themenagenda, für lediglich 6% aller Firmen ist es das wichtigste Thema überhaupt.

Und auch die Zahlen des Digital Office Index – befragt wurden 1.108 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern - sprechen eine deutliche Sprache. Nur 4 von 10 deutschen Unternehmen haben sich bisher strategisch mit der Ausbreitung ihrer digitalen Wertschöpfungsaktivitäten beschäftigt und den Transformationsprozess in Gang gesetzt. Vorreiter sind hier die großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern - 7 von 10 planen den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur. Unter den mittelständischen Unternehmen ab 100 Mitarbeitern denkt jedes zweite über digitale Aktivitäten nach. Bei den Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern sind es nur 36%.

Apropos:
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Bewegt sich die deutsche Wirtschaft, insbesondere der vielgelobte Mittelstand, weiterhin auf diesem Niveau, könnte sie den Anschluss an die Digitalisierung verlieren. Worin liegt die Zurückhaltung bzw. Passivität deutscher Manager begründet?

Der triftigste Grund dürfte wohl sein: Es gibt kaum valide Erfahrungswerte - der Digitalisierungsprozess ist jung und im ständigen Wandel begriffen. Es fehlen Referenzmodelle, anhand derer sich praktikable und erfolgreiche Strategien ableiten lassen. Nur ungern begeben sich Entscheider hierzulande auf einen Weg, der nicht zu Ende gedacht werden kann und etwaige Risiken von vorne herein ausschließt. Doch genau das lässt sich nicht vermeiden: Unternehmen müssen basierend auf ihrem individuellen digitalen Reifegrad eigene Strategien entwickeln und umsetzen. Und Entscheider müssen sich im Klaren sein: Es wird im Verlauf des Transformationsprozesses immer wieder zu Kursanpassungen kommen. Denn wohin die Reise genau führt, können auch Experten nur vermuten!

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