BITKOM-Umfrage: Wahrnehmung der Digitalisierung in der Bevölkerung

 

Digitale Transformation: In einer repräsentativen Umfrage hat der BITKOM-Trendkongress den Teilnehmern Fragen zur Wahrnehmung der ITK-Branche und der Digitalisierung im Allgemeinen gestellt. (c) istockphoto.com/Jag_cz

 

In einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 Personen ab 14 Jahren hat der BITKOM-Trendkongress den Teilnehmern Fragen zur Wahrnehmung der ITK-Branche und der Digitalisierung im Allgemeinen gestellt. Die interessanten, mitunter etwas widersprüchlichen Ergebnisse wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.

Die Telekom ist in den Augen der Bevölkerung immer noch das Synonym für die IT-Branche. Dies ergab die Frage nach den bekanntesten Unternehmen. Die Teilnehmer antworteten ohne Vorgaben. Dicht dahinter folgten Microsoft und Apple. Dies noch vor Vodafone, Google und Facebook. Der B2B Bereich wurde vergleichsweise kaum wahrgenommen. So taucht der größte deutsche Software-Hersteller SAP beispielsweise nicht in den Top-Resultaten auf.

Folgen der Digitalisierung

Die Schlüsselfrage zuerst – wie nehmen die Menschen die Digitalisierung und ihre Folgen wahr? Zweifellos findet derzeit eine große Umwälzung statt, denn 82% vergleichen die gesellschaftlichen Veränderungen mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Speziell der Arbeitsmarkt sei von diesem Wandel wesentlich betroffen. Eben so viele Leute sehen in diesem Wandel eine Gefährdung wie eine Chance. Es werden Arbeitsplätze weichen müssen und zahlreiche neue entstehen. Unterm Strich denken 66%, dass die Digitalisierung mehr Chancen als Risiken mit sich bringt. Die Grundstimmung lässt sich wohl am besten als vorsichtiger Optimismus beschrieben. Deshalb wünschen sich die Teilnehmer mehrheitlich mehr Engagement durch die Regierung im Bezug auf die Förderung des Wandels hierzulande.

Ist das Internet Fluch oder Segen?

Ambivalent reagierten die Umfrageteilnehmer auf die Fragen nach der Nützlichkeit und den gesellschaftlichen Einfluss des Internets. 31% sind überzeugt es verdumme die Menschen. Meinungsfreiheit ist offensichtlich nicht so bildungsfördernd wie angenommen, denn 73% sind überzeugt davon, dass das Web die freie Meinung unterstütze. Parallel wird es aber auch als Instrument der staatlichen Überwachung wahrgenommen (65%). Die Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen wird mehrheitlich negativ wahrgenommen. 63% sind überzeugt davon, das Internet führe zur Vereinsamung. Scheinbar ist dies aber nicht so schlimm, denn alles in allem sei das Internet eine hervorragende Errungenschaft (79%).

Die IT-Prominenz

Nach wie vor die bekannteste Persönlichkeit der Branche ist Bill Gates. Da kommt auch kein Durchstarter der letzten Jahre wie Mark Zuckerberg ran. Selbst der Bekanntheitsgrad des viel zu früh verstorbenen Steve Jobs reicht nicht an die des Microsoft-Gründers heran. Ein Beleg dafür, dass Popularität und Berühmtheit nicht zwingend synonym zueinander sein müssen. Edward Snowden hat es ebenfalls zur kurzfristigen Prominenz gebracht. 84% er Teilnehmer war der Whisteblower ein Begriff. Die deutsche IT-Landschaft ist nicht gar so gut weggekommen. Mit 41% ist immerhin der Erfinder des Computers, Konrad Zuse, einem Teil der Allgemeinheit ein Begriff. Die einflussreichen Samwer-Brüder fliegen mit einem Bekanntheitsgrad von gerade mal 12% jedoch weitestgehend unter dem Radar. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass deren Jamba-Spots das Musik-TV in den 00er Jahren von der Leitkultur bis in die Irrelevanz konsequent begleitet haben.

Branchen-Wahrnehmung

Die Deutschen lieben ihre Autos und haben eine hohe Meinung von den einheimischen Automobilherstellern. Nach wie vor ist die Branche die bedeutsamste der hiesigen Volkswirtschaft. Die IT-Branche hat seit 2008 jedoch einen Platz gut gemacht und landet in den Augen der Bevölkerung auf dem dritten Platz, dicht nach den Energieversorgern. Dies auf Kosten des Maschinenbaus, dessen Bedeutung leicht rückläufig in der öffentlichen Wahrnehmung ist. Die ITK Branche wurde mit Begriffen wie „innovativ“, „dynamisch“ und „attraktiv“ belegt. 71% sind der Auffassung es handelt sich um eine stabile Branche. 62% sind der Auffassung, dass Gründer in dieser Branche die größten Chancen haben.

B2B-Begriffe

Interessant ist die Tatsache, dass immer mehr Menschen Begriffe aus IT und Wirtschaft zumindest grob zuordnen können. Einfache Bezeichnungen wie Browser, Social Media oder auch Cloud Computing sind fast allen geläufig. Jedoch sind auch Themen wie Big Data oder Share Economy den meisten Befragten immerhin rudimentär geläufig. 61% der Befragten können mit dem Terminus Start-Up etwas anfangen.

Getrübtes Vertrauen

Die einen haben es geahnt, die anderen wollen es schon lange gewusst haben und viele hatte es bis dato nicht interessiert – seit den NSA-Enthüllungen wissen wir jetzt jedenfalls alle, dass unsere Daten potentiell missbräuchlich genutzt werden. Diese globale Erkenntnis hat das Vertrauen in die ITK-Branche nachhaltig erschüttert. Lediglich 24% sind der Ansicht es handle sich um eine vertrauenswürdige Branche. Immerhin sind die Hälfte der Teilnehmer überzeugt davon, dass IT-Produkte an sich zuverlässig sind.

Die IT-Branche als Arbeitgeber

Offensichtlich ist o.g. Problematik kein Hindernis in der Job-Wahl. 82% halten die Branche für potentiell interessant. Das Image als Arbeitgeber betrachten 59% als positiv. Der Wirtschaftszweig wird überwiegend als männerdominiert angesehen. 70% stimmen zu, dass flexible Arbeitszeiten hier gefördert werden.

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