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Bitkom: Deutsche digitalisieren halbherzig

Digitale Kanäle sind zum Standard in vielen Unternehmen geworden. Doch hier fängt die Digitalisierung erst an. Deutsche Unternehmen begegnen der digitalen Transformation nur zögerlich, lautete die Botschaft der Bitkom auf der CeBIT 2017. Wie die jüngste Digitalisierungs-Umfrage des Verbandes zeigt, werden die Möglichkeiten des digitalen Wandels nicht ausgeschöpft. „Trifft auf uns nicht zu“, denken vielleicht viele Entscheider und Führungskräfte, „wir sind über einen Online-Auftritt präsent, stellen digitale Touchpoints zur Verfügung und archivieren unsere Daten digital.“

Das stimmt. Digitale Kanäle sind zum Standard in vielen Unternehmen geworden. Doch hier fängt die Digitalisierung erst an. Haben Organisationen auch darüber nachgedacht, wie sie ihr Kerngeschäft digitalisieren? Gibt es eine Strategie für eine gelungene Ende-zu-Ende-Digitalisierung? In den meisten Fällen wohl eher nicht.

Für 75 Prozent der rund 500 befragten Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder birgt die Digitalisierung eine große Chance in der Akquise neuer Kunden. Für 71 Prozent ermöglicht sie eine klare Verbesserung des Services. Mehr als die Hälfte erwartet eine grundlegende Effizienzsteigerung. Internationalisierung, Gewinnsteigerung, Kostensenkung, Mitarbeitergewinnung – auch hier sieht die Wirtschaft Vorteile. Aber nur etwa jeder dritte der befragten Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder verbindet die Digitalisierung mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle (38 Prozent) oder neuer Produkte bzw. Dienstleistungen (37 Prozent).

In der Industrie glauben sogar nur 34 Prozent der Entscheider, dass die Digitalisierung ein größeres Potenzial für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bereithält, gefolgt von den Führungskräften aus der Dienstleistungsbranche (36 Prozent) und dem Handel (45 Prozent). Auch hinsichtlich der digitalisierungsbedingten Entwicklung neuer Angebote bilden die Geschäftsführer aus der Industrie das Schlusslicht. Nur knapp ein Drittel erkennt in der digitalen Transformation eine Chance für neue Produkte und Dienstleistungen, im Handel sind es etwas mehr als ein Drittel und im Dienstleistungssektor immerhin 44 Prozent.

Als visionäre Vorreiter gaben sich große Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern zu erkennen – 44 Prozent sehen die Möglichkeit für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, 45 Prozent für die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen. Doch selbst diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Für mehr als die Hälfte der großen Unternehmen ist die Digitalisierung ihres Kerngeschäftes aktuell kein Thema.

Umso deutlicher die Empfehlung des Bitkom-Hauptgeschäftsführers Dr. Bernhard Rohleder: „Unternehmen sollten bei der digitalen Transformation größer denken. Wer hervorragende Produkte herstellt, sollte überlegen, wie er sie mit wertvollen Dienstleistungen koppeln kann. Und wer bislang stark nachgefragte Dienstleistungen anbietet, der sollte schauen, ob er ein ganzes Ökosystem dazu aufbauen kann.“

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