Big Data: Wie die NSA die Unternehmens-IT beflügeln half

 

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Beim Buzzword „Big Data“ ist in der allgemeinen Berichterstattung der vergangenen 3 Monate die Nähe zwischen Geheimdiensten und den IT Themen ECM & Business Intelligence (BI) spürbar geworden. „Big Data“ als eine neue Generation von Technologien und Architekturen zur Verarbeitung und Verwertung großen Datenmengen gewinnt in europäischen Unternehmen auffallend schnell an Bedeutung. Unter dem Einfluss der NSA Affäre und erfolgreicher Best-Practice Ergebnisse aus den USA beginnen Unternehmen in Europa damit, in ECM Software, Speichertechnologien , Cloud-Lösungen oder Data Access Management zu investieren.

Die Algorithmen, mit denen sich Zusammenhänge zwischen auf den ersten Blick wenig verbundenen Daten finden lassen, werden auf beiden Seiten – Geheimdienst wie Unternehmens-IT – ausgefeilter. Zum Einsatz kommen durchaus ähnliche Softwaretechnologien. Zumindest stammen sie aus einer ähnlichen algorithmischen Basis. Sie treffen Vorhersagen mit „ebenso sensationeller wie beunruhigender Treffsicherheit“, bewertet FAZ Redakteur Schirrmacher.

„Wir werden die Antworten auf ihre Fragen kennen, ehe sie selbst die Frage wissen.“ Dieser berühmte Satz eines Google-Chefs ist das Credo des Big-Data-Zeitalters. Jetzt, da wir uns die Frage stellen, in welchem Land Edward Snowden Asyl erhalten wird, sollten wir zumindest die Kirche im Dorf belassen. Denn die Ausprägungen der bei Geheimdiensten zur modernen „Rasterfahndung“ eingesetzten Technologien unterscheidet sich deutlich von BI und ECM Software im Unternehmensumfeld.

In mittleren bis großen Unternehmen wird KI-basierte, häufig sogar „lernfähige“ Software eingesetzt – vor allem bei der Klassifizierung und Weiterverarbeitung großer Mengen von Kundenkorrespondenz per Brief, E-Mail, Web. Sie analysiert textuelle Zusammenhänge und beobachtet den Umgang ausgewählter Mitarbeiter bei der Inhaltsinterpretation (Worum geht es?) und Vorgangsabwicklung (Was ist zu tun?). Nicht selten führt

ECM Software zu einer weitest gehenden Automatisierung von sich häufig wiederholenden Prozessen. Bis zu 90 Prozent Arbeitszeit helfen sie einsparen. Und sie sind häufig verbunden mit einer kontextuellen Suche (Enterprise Search) und einem Wissensmanagement System (Knowledge Management).

Technologisch basiert moderne Software zur Textanalyse – auch „New Artificial Intelligence NAI“ - auf Mustererkennung und komplexen Simulationen. „NAI ist nicht wirklich in der Lage, textuelle Inhalte zu verstehen. Diese Fähigkeit würde menschliches Bewusstsein voraus setzen. NAI kann aber hervorragend ein beobachtetes Verhalten imitieren“, sagt Süleyman Arayan, CEO und Gründer der ITyX Unternehmensgruppe.

Im Unternehmensumfeld geht es also um die Erkennung wiederkehrender Muster und deren Verbindung mit existierenden Unternehmensdaten. Und um enorme Kosteneinsparungen bei Service-Vorgängen, die ansonsten manuell und langwierig durch Mitarbeiter erledigt werden – ein Umstand, der in Zeiten der beschleunigten digitalen Kommunikation befremdlich wirkt. Die Ausprägung von Unternehmenssoftware liegt im Auffinden von „Wiederkehrendem“. Geheimdienstliche „Spähsoftware“ will dagegen „Auffälliges“ herausfiltern.

Dennoch beflügelt die Snowden Affäre die Unternehmens-IT. Denn sie zeigt in erschreckender Weise, wie weit der Weg in eine Modernisierung der Prozess-, Daten und Sicherheitsstrukturen ihrer IT für viele Unternehmen noch werden wird.

 

Wer das Thema Big Data und die Diskussion darüber von mehreren Seiten beleuchtet lesen möchte, liest bei ne-na.de einen kritischen Beitrag von Gunnar Sohn. 

 

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